GEMEINWOHLZUKUNFT · WISSEN
Die wichtigsten Begriffe
Verstehen, was mit den Worten gemeint ist.
Zehn Begriffe zum Gemeinwohlzukunft-Buchungssystem – mit Erklärung, Alltagsbeispiel und Abgrenzung zur üblichen wirtschaftlichen Bedeutung.
Die Begriffe beschreiben den derzeitigen Entwurf. Wo Benennungen oder Regeln noch offen sind, steht das ausdrücklich dabei.
Direkt zum Begriff
Zwei Stufen unterscheiden: Die erste Vergleichsbuchhaltung läuft zusätzlich zum bisherigen Zahlungssystem. Die langfristige Vision beschreibt weitergehende Veränderungen. Aussagen über die eine Stufe gelten nicht automatisch für die andere.
BEGRIFF 01
Buchung / Buchungszahl
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Buchungszahlen sollen sichtbar machen, was geleistet und was genutzt beziehungsweise verbraucht wird. Der reale Wert liegt laut Konzept in Waren, Dienstleistungen und Versorgung. Die Zahl dokumentiert diesen Wert. Unternehmen sollen für tatsächlich erbrachte Leistungen entsprechende Buchungszahlen erhalten.
Im Alltag · ein Beispiel
Ein Unternehmen baut eine Schule. Seine reale Leistung ist die gebaute Schule; eine Buchungszahl dokumentiert den Wert der erbrachten Leistung.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Im Rechnungswesen ist eine Buchung die Erfassung eines Geschäftsvorfalls auf Konten. Im GWZ-Konzept soll die Zahl eine Leistungs- beziehungsweise Verrechnungsinformation darstellen.
Abgrenzung und offene Punkte
Nach der ausdrücklichen Antwort in F03 dokumentieren Buchungszahlen auch in einer späteren Verrechnung Werte, ohne selbst Ansprüche auf Waren oder Leistungen zu begründen. Wie die zugesagte reale Versorgung verbindlich gesichert werden soll, bleibt eine eigene offene Frage. Der erste Versuch ist eine zusätzliche Vergleichsbuchhaltung.
BEGRIFF 02
Vergleichsbuchhaltung
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
So wird der vorgeschlagene erste praktische Versuch bezeichnet: Leistungen und Verbrauch werden zusätzlich nach den Regeln des GWZ-Modells erfasst, während das bisherige Geld- und Zahlungssystem weiterläuft. Für diese Stufe ist kein Währungsumtausch vorgesehen.
Im Alltag · ein Beispiel
Ein Einkauf wird weiterhin in Euro bezahlt. Parallel wird er nach den GWZ-Regeln erfasst. Anschließend lässt sich vergleichen, welche Informationen die zusätzliche Darstellung liefert.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Der Begriff bezeichnet hier eine Parallel-, Schatten- oder Simulationsrechnung. Er ist keine eigene allgemeingültige Buchungsmethode mit bereits feststehenden Regeln.
Abgrenzung und offene Punkte
Der Pilot wäre noch nicht die Einführung des langfristigen Gesellschaftssystems. Ein Vergleich kann Abläufe, Verständlichkeit und Datenqualität untersuchen; die Wirkungen einer vollständigen Systemumstellung lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
BEGRIFF 03
Grundbedarfsabdeckung (GBA)
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Grundversorgung soll unabhängig von Mitwirkung bestehen bleiben. Genannt sind Gesundheit, Unterkunft, Kleidung, Essen, Trinken und öffentlicher Verkehr. Ein Bürgerrat soll je Land aushandeln, was ausreichend ist (F01, F14). Im Personen-Rechenbeispiel ist die GBA bereits ein Sockel des Einkommens und wird nicht nochmals hinzuaddiert.
Im Alltag · ein Beispiel
Menschen sollen Zugang zu notwendiger Nahrung und angemessenem Wohnraum haben. Die Versorgung soll langfristig nicht davon abhängen, ob gerade ein einzelner Kaufvorgang finanzierbar ist.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Grundbedarfsdeckung meint allgemein die Sicherung elementarer Bedürfnisse. Sie ist keine gewöhnliche buchhalterische Einkommenskategorie.
Abgrenzung und offene Punkte
Grundbedarfsabdeckung ist nicht einfach ein anderes Wort für bedingungsloses Grundeinkommen. Im Konzept steht die reale Versorgung im Mittelpunkt. Ein Zahlenbetrag soll ihre Verfügbarkeit sichern; dafür soll die Gemeinschaft einstehen. Konkrete Zuständigkeiten und Verfahren bei Ausfällen bleiben offen (F15). Die Versorgung soll auch bei Ablehnung einer Tätigkeit bestehen bleiben (F01).
BEGRIFF 04
Einnahmen / E-GL
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
E-GL bedeutet nach F06 Einnahmen-Gesamtleistung. Im bisherigen Personenbeispiel setzt sie sich aus Grundbedarfsabdeckung, Leistungslohn und weiteren anerkannten Beiträgen zusammen. Ältere Kürzel wie E-GLW, GLW und E-GWL werden hier nicht mehr als aktuelle Bezeichnung verwendet.
Im Alltag · ein Beispiel
Ein Versorgungssockel von 8.000, ein Leistungslohn von 10.000 und weitere Beiträge von 2.000 ergeben zusammen 20.000 Buchungseinheiten im Beispieljahr.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Wirtschaftlich bezeichnet Einkommen typischerweise einen während eines Zeitraums erzielten Geld- oder Sachzufluss. Im GWZ-Modell geht es hier um eine modellinterne Buchungsgröße.
Abgrenzung und offene Punkte
Die Beispielzahlen sind keine zugesagten Euro-Gehälter und begründen keinen bereits festgelegten Auszahlungsanspruch. Die Grundbedarfsabdeckung ist im Gesamteinkommen schon enthalten.
BEGRIFF 05
Verbrauch / A-VW
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
A-VW bedeutet Gesamt-Ausgaben-Verbrauchswert: der verbuchte persönliche Konsum. P-LW = E-GL − A-VW. Notwendige Mehrbedarfe wegen Krankheit, Behinderung, Alter, Sorgearbeit oder vorübergehender Krisen sollen gemeinschaftlich bereitgestellt und aus der persönlichen Berechnung ausgenommen werden (F05, F06, F16).
Im Alltag · ein Beispiel
20.000 Buchungseinheiten Einkommen minus 15.800 Buchungseinheiten Verbrauch ergeben 4.200 persönlichen Leistungswert.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Konsum beziehungsweise Verbrauch bezeichnet die Verwendung von Gütern und Dienstleistungen. Der wirtschaftliche Begriff ist nicht automatisch mit einem persönlichen Kontosaldo verknüpft.
Abgrenzung und offene Punkte
Beim Wohnungsbeispiel erfasst das Anlagekonto den Anschaffungswert. Die Abschreibung senkt diesen Buchwert. Der monatliche Rückfluss an die Zahlenausgabestelle zählt als Ausgabe im A-VW; die Abschreibung wird nicht zusätzlich als persönlicher Verbrauch angerechnet (F11, abschließende Klarstellung auf S. 14).
BEGRIFF 06
Persönlicher Leistungswert / P-LW
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Der persönliche Leistungswert ist die Differenz aus Einnahmen-Gesamtleistung und Gesamt-Ausgaben-Verbrauchswert: P-LW = E-GL − A-VW. Die Jahreswerte sollen über das Leben fortgeschrieben werden. Ein negativer Wert soll keine Verpflichtung begründen. Nach dem Tod sollen die Konten gelöscht und die Zahlen nicht vererbt werden (F06, F12).
Im Alltag · ein Beispiel
20.000 Einkommen minus 15.800 Verbrauch ergeben 4.200 persönlichen Leistungswert. Dieser Saldo könnte später bei einer größeren Anschaffung berücksichtigt werden.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
„Leistungswert“ ist kein einheitlich verwendeter Standardbegriff der Volkswirtschaftslehre. Hier bezeichnet er einen persönlichen, modellinternen Saldo.
Abgrenzung und offene Punkte
Ein höherer P-LW bedeutet keinen höheren Wert eines Menschen. Notwendige Mehrbedarfe sollen aus der Rechnung ausgenommen werden (F16). Als Vorrangkriterium bei knappen Gütern ist der P-LW vorgesehen; bei Gleichstand sollen vorher vereinbarte Regeln gelten. Medizinische Dringlichkeit soll vorgehen (F28–F30).
Offen bleibt, wie die neueren Aussagen zu knappen kostenlosen Gütern zur früheren Begrenzung auf Güter außerhalb der Grundversorgung passen (F17). Für Luxusgüter nennt F32 mindestens doppelt so viel P-LW wie den Zahlenbedarf des Guts und eine Zustimmung des Gremiums. Die Einteilung in Bedarf, Wunsch und Luxus sowie die Übertragbarkeit des P-LW sind noch nicht vollständig geregelt.
BEGRIFF 07
Gebrauchswert / GW
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Nach F06 sollen Gebrauchswert und Anschaffungswert im Modell gleich bewertet werden. Die Anlage wird zunächst mit ihrem Anschaffungswert erfasst; ihr späterer Buchwert sinkt durch Abschreibung und steigt durch erfasste Reparaturen (F11). Ältere Texte verwenden GW oder BW. Eine ausgeschriebene Bedeutung des B ist dort nicht eindeutig belegt.
Im Alltag · ein Beispiel
Im Wohnungsbeispiel werden 200.000 Zahleneinheiten als Anlage erfasst. Bei 60 Jahren sinkt der Buchwert jährlich um rund 3.333,33. Ein monatlicher Rückfluss von rund 277,78 wird als persönlicher Verbrauch gebucht. Beide Buchungen dürfen diesen Verbrauch nicht doppelt erhöhen (F11).
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
In wirtschaftlicher Theorie meint Gebrauchswert üblicherweise den Nutzen eines Gutes beziehungsweise seine Fähigkeit, ein Bedürfnis zu befriedigen. Das ist etwas anderes als Anschaffungswert, Buchwert oder Anlagewert.
Abgrenzung und offene Punkte
Die besondere Modellbezeichnung ist vom üblichen wirtschaftlichen Gebrauchswert zu unterscheiden. Abschreibungsdauern sollen je Produkt festgelegt werden; Rundung und Reparaturfolgen sind noch auszuarbeiten (F11).
Nach F36 darf angesparter P-LW in vererbbare Anlagegüter umgewandelt werden, wenn die erbende Person sie selbst nutzt oder weiterbetreibt. Das selbst bewohnte Haus soll nach dem Tod ohne ein darin wohnen wollendes Familienmitglied an die Gemeinschaft zurückfallen (F33). Weitere Rechte, die genaue Abwicklung und der Umgang mit anderen Anlagen ohne nutzende Nachfolge bleiben offen. Die Aussage beschreibt den Entwurf, nicht das geltende Erbrecht.
BEGRIFF 08
Leistungslohn
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Tätigkeiten für andere Menschen sollen honoriert werden, einschließlich Ehrenamt. Private Hausarbeit wie Putzen, Kochen und Gartenarbeit bleibt grundsätzlich ausgenommen. Für Kindererziehung und -betreuung soll es jedoch eine Pauschale geben, auch für Eltern und externe Betreuungspersonen; ihre Höhe ist noch offen (F20).
Bei der Tätigkeitsbewertung sollen Zeit, Qualität, Qualifikation, Verantwortung und Belastung je nach Tätigkeit unterschiedlich gewichtet werden (F21). F24 unterscheidet eine vorab vereinbarte Vergütung für ein Ergebnis von einer ausdrücklich vereinbarten Abrechnung nach Stunden.
Im Alltag · ein Beispiel
Wird für eine Aufgabe mit festgelegter Qualität und gleichem Ergebnis eine Vergütung vereinbart, soll diese unabhängig davon sein, ob die Ausführung zwei oder acht Stunden dauert. Bei einer ausdrücklich vereinbarten Stundenabrechnung ist dagegen die geleistete Zeit maßgeblich. Eine zusätzliche Provision für frühere Fertigstellung kann vereinbart werden (F24).
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Klassischer Leistungslohn hängt von messbarer Arbeitsleistung ab, etwa als Akkord- oder Prämienlohn. Im GWZ-Konzept soll zusätzlich der Nutzen für die Gesellschaft berücksichtigt werden.
Abgrenzung und offene Punkte
Ein ausgewählter Bürgerrat soll Bewertungen gemeinsam ausarbeiten und im Konsent beschließen. Schwerwiegende Einwände führen zu erneuter Verhandlung. Gremienauswahl, konkrete Gewichtungen, Stundenwerte, Betreuungspauschale und Einspruchswege sind noch auszuarbeiten (F20–F22).
Als Nachweis beschreibt F23 Anforderung, Erfüllung und die zugehörige Zahlung. Dass die zahlende Person nicht doppelt zahlen werde, ist eine Annahme und noch kein belastbarer Schutz vor Doppelbuchungen. Auch Provisionshöhe und Bedingungen müssen vereinbart werden. Für notwendige Aufgaben ohne freiwillige Übernahme fehlt weiterhin eine Ausfallregel (F23–F25).
BEGRIFF 09
Bedarfswirtschaft
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Produktion soll sich daran orientieren, was tatsächlich benötigt wird und welche Fähigkeiten, Rohstoffe, Energie, Kenntnisse und Infrastruktur verfügbar sind. Im älteren Entwurf gehören dazu Bedarfsermittlung und Ressourcenverteilung nach dem Verwendungsbedarf.
F30 ergänzt: Künstliche Intelligenz soll die Bedarfsplanung unterstützen und Lieferausfälle verringern. Die jeweils betroffene Stelle soll Bedarfsangaben prüfen und nötige Korrekturen veranlassen. Wie diese Prüfung genau funktioniert, bleibt auszuarbeiten.
Im Alltag · ein Beispiel
Bevor 10.000 Produkte hergestellt werden, soll geklärt werden, wie viele davon gebraucht werden und ob Menschen, Materialien und Energie dafür verfügbar sind.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
Der Begriff beschreibt hier eine an Bedürfnissen und Planung orientierte Wirtschaftsweise. Er bezeichnet keine einzige, allgemein festgelegte Organisationsform; das konkrete Verfahren muss jeweils beschrieben werden.
Abgrenzung und offene Punkte
Bedarfswirtschaft bedeutet nicht, dass alle Güter unbegrenzt verfügbar wären. Auch ein Zahlenpreis von null beseitigt den Material-, Energie- und Arbeitsaufwand nicht. Vergabe bei Knappheit und medizinische Dringlichkeit sind gesondert zu regeln (F28–F30).
Ein Bürgerrat soll notwendigen Bedarf, individuelle Wünsche und Luxus unterscheiden; die sachlichen Kriterien sind noch offen (F31). Die vorgeschlagenen Vorrangregeln und ihre noch unklare Abgrenzung zur Grundversorgung erklärt „Das System“.
BEGRIFF 10
Plussummenspiel
Im Gemeinwohlzukunft-Konzept
Reale Leistungen sollen den gemeinsamen Nutzen vergrößern; Buchungszahlen dokumentieren die Beiträge. Auf der Systemseite wird ausdrücklich zwischen dieser Modellidee und einem Nachweis ihrer tatsächlichen Wirkung unterschieden.
Im Alltag · ein Beispiel
Wenn eine benötigte Schule gebaut wird, entsteht ein nutzbares Gebäude. Darin liegt das angestrebte „Plus“. Material, Energie, Arbeitszeit und mögliche Nachteile müssen trotzdem berücksichtigt werden.
Übliche wirtschaftliche Bedeutung
In der Spieltheorie bezeichnet ein Positivsummenspiel eine Situation, in der die Summe der Gewinne die Summe der Verluste übersteigen kann.
Abgrenzung und offene Punkte
Eine positive Gesamtsumme beweist weder eine faire Verteilung noch effiziente Produktion. Sie bedeutet auch nicht, dass niemand schlechter gestellt werden kann. Ob eine konkrete Umsetzung allen nützt, muss gesondert untersucht werden.
Begriffe geklärt – und jetzt?
Lies die Antworten auf häufige Fragen oder prüfe die Modellrechnung an einem eigenen Beispiel.
Stand: 6. Oktober 2026. Grundlage sind die Begriffssammlung, „Das System“, „Die Vision“ und die Gesprächsprotokolle „Offene Fragen“ vom 1. Oktober (workshop-3.pdf) und 6. Oktober (workshop-5.pdf). Die Buchungsgrößen und die Abschreibungsregel stammen aus dem ersten Protokoll; dessen S. 14 enthält die abschließende Klarstellung zu F11. Der neuere Workshop präzisiert F20–F36, insbesondere Betreuung, Tätigkeitsbewertung, Vergütung, Knappheit und Vererbung. Beispiele veranschaulichen den Entwurf und begründen keine tatsächlichen Ansprüche.
